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    50 Jahre IT: Das bundesweite Vorreiterprojekt "Voice over IP"

    10/10/2011

    Die Anekdoten aus 50 Jahren IT-Geschichte sind auf der Zielgeraden. Ein Thema darf aber nicht fehlen: VoIP - Telefonieren über das Datennetz.

    Kaum ein Projekt aus den letzten 50 Jahren IT-Geschichte wurde von den Nutzern kritischer beäugt, als der Aufbau einer Telefonanlage über das bestehende Datennetz der Universität. Warum? Weil eine Anlage in dieser Größenordnung in der Bundesrepublik seinerzeit einmalig war und die Technik noch relativ neu? Weil große IT-Projekte zunächst immer mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen haben?

    Der Staub hat sich gelegt

    Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Wichtig ist nur, dass die Nutzer mittlerweile sehr zufrieden mit der Telefonanlage sind, was zuletzt im Jahre 2010 durch eine große Umfrage bestätigt wurde.

    Schon 2006 wurden mit der neuen Technik erste Gehversuche unternommen. Das Rechenzentrum selbst, aber auch andere Bereiche, u.a. die IT der Zentralverwaltung, waren Pilotkunden. Für viele Nutzer und auch Elektroplaner war es gewöhnungsbedürftig, dass Telefongespräche nicht mehr analog über alte Kupferkabel rauschen, sondern stattdessen sich digital als Sprachenpakete ihren Weg über Computernetzwerke suchen. Das ist der entscheidende Unterschied der Voice-over-IP-Telefonie zur klassischen Variante.

    Startschuss 2008

    Im zweiten Halbjahr 2008 begann dann nach massiven Vorarbeiten der Rollout, d.h. die Aufstellung von mittlerweile ca. 5.500 Telefonen an den Arbeitplätzen der Uni-Mitarbeiter. Ein Jahr und unzählige Eingaben zur Verbesserung der Anlage später waren die grundlegenden Arbeiten beendet.

    Doch dann wurden Einrichtungen aus ganz Deutschland auf die VoIP-Anlage der Uni Würzburg aufmerksam und Projektleiter Helmut Celina war auf zahlreichen Kongressen zu Gast und konnte die Vorzüge des Systems darstellen.

    Flexibel und ein hohes Sparpotential

    Dass das System wirtschaftlich ist, hat es bereits zum Start bewiesen: So blieben die Kosten für die Baumaßnahme um fast 600.000 Euro unter der ursprünglich veranschlagten Summe. Das will etwas heißen in Zeiten, wo es fast zum guten Ton gehört, dass Budgets bei Baumaßnahmen überzogen werden.


    Im Einsatz: Mitarbeiter des Rechenzentrums sorgen für einen reibunglosen Betrieb (Fotos: RZ)

    Muss das System ausgebaut werden, zeigt sich weiteres Sparpotenzial: Die Erweiterung der Universität auf den Campus Hubland Nord beispielsweise hätte mit einer kommerziell betriebenen Variante wie dem Voip-Vorgänger zusätzliche Lizenzkosten von etwa 100.000 Euro verursacht.

    Ganz zu schweigen von den Kosten für Telefonkabel und alles, was dazu gehört: Weil Voip-Telefone die sowieso vorhandene Netzwerkverkabelung nutzen, entfallen diese zukünftig bei sämtlichen Baumaßnahmen der Universität ersatzlos.


    Das VoIP-Team des Rechenzentrums (Foto: RZ)

    Auch im laufenden Betrieb macht Voip der Haushaltsabteilung viel Freude: Immerhin liegen die monatlichen Betriebskosten pro Telefon bei weniger als der Hälfte im Vergleich zu klassischen, kommerziellen Lösungen. Kein Wunder, dass auch die Oberste Baubehörde den Projektverantwortlichen einen vorbildlichen Umgang mit Finanzmitteln in Zeiten knapper Kassen bescheinigte.

    Ein System für die nächsten "50 Jahre"?

    Stabilität schafft Vertrauen. So ist es nicht verwunderlich, dass mit der FH Würzburg-Schweinfurt vor einiger Zeit bereits ein weiterer großer Nutzer auf den VoIP-Zug aufgesprungen ist. Entwicklung und Betreuung liegen hierbei beim Rechenzentrum der Uni.

    Ob die Anlage zum nächsten großen IT-Jubiläum noch in Betrieb sein wird, ist bei der rasanten Entwicklung im IT-Sektor zu bezweifeln, aber eines erscheint fast sicher: Eine Rückkehr zur klassischen Telefonie wird es nicht mehr geben.

    By M. Tscherner

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