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Rechenzentrum

50 Jahre IT: Die Personalcomputer kommen!

05.05.2011

War die Nutzung der Informationstechnik an der Uni Würzburg in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Großrechner geprägt, so kam in den 80er Jahren der Durchbruch des Personalcomputers.

Noch ca. 1977 sah die Computerindustrie kaum einen Markt dafür, dass solche Rechner "jedem Menschen" frei zur Verfügung stehen sollten - weder am Arbeitsplatz noch gar im privaten Haushalt. Viel extremer war die Ansicht eines früheren IBM-Chefs, Thomas J. Watson, der 1943 tatsächlich erklärte, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer geben würde. Nun, mit dieser Meinung konnte er sich immerhin weitere 13 Jahre an der Spitze der Firma halten.

Grandiose Fehleinschätzung

Wie sehr sich Mr. Watson hier getäuscht hat, belegen die aktuellen Absatzzahlen für PCs für das vierte Quartal 2010 (bei einem angeblich schwächelnden Markt!) mit immer noch 3,9 Millionen Einheiten alleine in Deutschland (Heise-News vom 09.02.2011). Eine Prognose für den weltweiten Absatz alleine bei mobilen Endgeräten im Jahre 2014 sieht eine halbe Milliarde Einheiten als realistisch an (Heise News vom 13.04.2011).

Wie konnte sich ein so erfahrener Verkäufer derart irren? Vielleicht lag es einfach daran, das man sich damals die vielfältigen Einsatz- bzw. Anwendungsszenarien dieser Geräte einfach nicht vorstellen konnte. Abgesehen davon waren viele Geschäftsfelder wie mobile Telefonie, der Spielemarkt und andere Nischenplätze nicht mal ansatzweise entwickelt und damit einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Noch 1977 fragte sich der damalige DEC-Chef Ken Olsen, wer einen solchen Computer überhaupt haben wollte.


IBM-PC aus dem Jahre 1981 (Foto:Boffy b, wikipedia.de)

Die (Computer-)Welt wandelt sich

Doch allen Schätzungen und Meinungen der damaligen IT-Chefs zum Trotz - der Siegeszug der Personalcomputer war nicht mehr aufzuhalten. Das war in der 80er Jahren an der Universität Würzburg nicht anders. Zwar verloren die Großrechner in den Maschinenräumen nicht Ihren Zweck, doch wurden viele Aufgaben immer mehr dezentral an Arbeitsplatzrechnern in den Instituten und Lehrstühlen verrichtet.

Dies betraf nicht nur die reine Forschungsarbeit, die sogar überwiegend noch über die Großrechner abgewickelt wurde, sondern auch viele Verwaltungstätigkeiten - die Ablösung der Registerschränke und Karteikarten stand an.
Diese Entwicklung führte auch zu völlig neuen Aufgabenbereichen für das Rechenzentrum, galt und gilt es u.a. doch, für die mittlerweile weit über 5.000 Personalcomputer an der Uni die entsprechende Infrastruktur (v.a. Netzwerk, Software und ein dezentrales Betreuungskonzept) zu planen und vorzuhalten.

Ein Trend zurück?

Wie in der Informationstechnologie häufig zu finden, sind auch in der Entwicklung der Personalcomputer gewisse "Wellenbewegungen" zu erkennen. So zeigt sich in den letzten Jahren wieder eine Zentralisierung der Rechner-Leistungen in Form des Cloud-Computings oder der Virtualisierung von Desktop-Rechnern auf zentralen Servern. Der mobile Markt jedoch - Notebooks, Netbooks, Tablet-Computer und Smartphones - ist davon weitgehend abgekoppelt und geht seinen eigenen Weg. Während also die Zahlen klassischer Arbeitsplatzrechner mittlerweile stagnieren, steigen der Absatz mobiler Endgeräte weiter an. Ein Ende des Booms ist hier nicht in Sicht.

Nicht zuletzt ein weiterer Siegeszug wäre ohne des Erfolgs der Personalcomputer so nicht oder wesentlich später eingetreten - der des Internets ca. 10 Jahre nach Aufkommenden der PCs. Doch dies ist eine andere Geschichte...

 

Von M. Tscherner

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